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Humboldt-Universität zu Berlin - IRI THESys

Grenzgänger: Jonas Nielsen untersucht, was der Klimawandel für die Menschen in Burkina Faso bedeutet

Prof. Jonas Nielsen leitet am IRI THESys die Forschungsgruppe "Changing urban-rural linkages across the world" und unterrichtet am Institut für Geographie.

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Mobilität gehört für den Humangeographen Jonas Nielsen zum Beruf. Aufgewachsen ist der 41jährige in einem kleinen Dorf in Dänemark, studiert hat er in Auckland  (Neuseeland) und Kopenhagen (Dänemark), und seit 2013 lebt er mit seiner Familie in Berlin. Sein Forschungsgebiet liegt hingegen in Westafrika; in Burkina Faso untersucht er seit vielen Jahren, wie die Bevölkerung mit den Folgen des Klimawandels zu leben lernt: „Es ist ein unglaublich armes Land, in dem Landwirtschaft ohne Regen kaum möglich ist. Trockenheit und Dürre zwingen die Menschen, sich neue Einkommensquellen zu suchen. Wer sich nicht anpasst, kann dort nicht überleben.“
 

Jonas Nielsen


Family outside their hut in the north of Burkina Faso (Abbildung: Jonas Nielsen)


Nah am Geschehen bleiben 

Aufgrund schwieriger Lebensbedingungen ziehen viele Menschen vom Land in die Städte, vor allem in die Hauptstadt Ouagadougou, die den Migranten trotz aller Armut und Not auch Hoffnung auf ein besseres Leben bietet. So hat auch Jonas Nielsen selbst seinen Forschungsschwerpunkt verlagert und angepasst. Untersuchte er als Doktorand und Postdoktorand das Alltagsleben in einem kleinen Dorf im Norden des Landes, erforscht er heute Prozesse der Urbanisierung in Ouagadougou. Dort möchte er herausfinden, was die Menschen in die Großstadt getrieben hat und wie sie ihr neues Leben gestalten. Wie Nielsen betont, stellt Klimawandel nur eine von mehreren Migrationsursachen dar, zu denen zum Beispiel auch Arbeit, Heirat, Hexerei oder der Wunsch nach weniger sozialer Kontrolle zählen. Dies aufzudröseln, macht einen Großteil seiner Forschung aus.

Wie sich qualitative und quantitative Forschung ergänzen

„Wir wissen nicht genau, wie viele Menschen in den vergangenen Jahren in Ouagadougou zugezogen sind, weil für subsaharische Städte kaum Daten aus Volkszählungen existieren“, beschreibt der Wissenschaftler eines der Hauptschwierigkeiten. Doch Hilfe kommt aus den Naturwissenschaften. Gerade die Fernerkundung stellt ganz neue Daten zur Verfügung, indem sie mittels Satellitenaufnahmen neu entstandene Häuser auszählen und die räumliche Ausdehnung der Städte im Zeitverlauf bestimmen kann. Durch Hauswände schauen können die Satelliten aus dem All aber nicht, und deshalb ist Feldforschung oft die einzige Möglichkeit, dem tatsächlichen Geschehen vor Ort auf den Grund zu gehen. Denn eine der Besonderheiten Ouagadougous sind die sogenannten leeren Hütten, die viele Menschen in informellen Siedlungen bauen, welche sich überall in der Stadt ausbreiten. Diese Hütten werden nicht bewohnt, sondern sind als Investition in die Zukunft gedacht. „Wie sich die Stadt und das Stadtleben wirklich verändern, können wir nur durch Feldforschung vor Ort herausfinden, zum Beispiel durch Interviews und teilnehmende Beobachtung. Deshalb müssen sich qualitative und quantitative Forschung ergänzen“, ist Nielsen überzeugt. Und er fügt hinzu: "Das ist etwas, wofür THESys ein perfektes Umfeld bietet.