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Humboldt-Universität zu Berlin - IRI THESys

Mögliche Zukünfte: Hermann Lotze-Campen modelliert Agrarszenarien

Hermann Lotze-Campen ist Leiter des Forschungsbereichs "Klimawirkung und Vulnerabilität" am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Professor für Nachhaltige Landnutzung und Klimawandel an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Mitglied am IRI THESys.

English Deutsch

Der Agrarökonom Hermann Lotze-Campen modelliert am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) Agrarszenarien und zeigt auf, wie Landwirtschaft unter den Bedingungen des Klimawandels aussehen kann. Dabei ist ihm vor allem ein ganzheitlicher Blick wichtig, der den steten Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachrichtungen erfordert.

Vom Teilzeitjob zum Bereichsleiter

Nach Studium und Promotion hatte der gebürtige Ostfriese der Wissenschaft zunächst den Rücken gekehrt und berufliche Ausflüge in Industrie und Selbstständigkeit unternommen – bei einem Satellitendienstleistungsunternehmen und als agrarpolitischer Berater. 2001 kam Hermann Lotze-Campen schließlich ans PIK. Dort suchte er parallel zur Selbstständigkeit ein zweites Standbein – und fand eine halbe Stelle befristet auf ein Jahr. Heute, 16 Jahre später, leitet er längst einen von vier Forschungsbereichen und hat dort mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zum Themenkomplex "Klimawirkung und Vulnerabilität" forschen. "Es waren vor allem das interdisziplinäre Umfeld und die völlig neuen Perspektiven auf die Landwirtschaft, die mir wieder Lust auf Wissenschaft gemacht haben", erinnert sich der Agrarökonom. Plötzlich standen Umweltfragen im Mittelpunkt, die er zusammen mit Physikern, Hydrologen oder Ökologen bearbeiten konnte. Der Schwerpunkt seiner eigenen Arbeitsgruppe liegt auf Landwirtschaft und Landnutzung; zwei Aspekte nimmt sein Team vor allen in den Blick: Erstens, welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Landwirtschaft? Und zweitens, wie trägt die Landwirtschaft selbst zum Klimawandel bei?

Mit Planspielen Orientierung für die Zukunft gewinnen


Für ausgewählte Pflanzenarten simuliert Hermann Lotze-Campen zukünftige Ernteerträge - im Bild zu sehen: ein Großrechner am PIK (Bildquelle: PIK)


Antworten findet Lotze-Campen in Computermodellen, denn das Hauptinstrument der Forschung am PIK sind Computersimulationen, mit deren Hilfe Zukunftsszenarien erstellt werden. In ihren Agrarmodellen berechnen er und sein Team etwa, wie unter bestimmten klimatischen Bedingungen die Ernten ausfallen, das heißt wie viel Lebensmittel oder Biomasse die Felder in ausgewählten Regionen oder auf der ganzen Welt produzieren. "Du steckst vorne ins Ertragsodell Temperatur und Niederschlag rein, und hinten kommt der Weizenertrag raus", so der Bereichsleiter. Was so einfach klingt, beruht allerdings auf gewissenhaft entwickelten mathematischen Formeln und erfordert große Datenmengen, mit denen die Computer gefüttert werden. Diese Daten, wie zum Beispiel Statistiken, Messreihen oder Satellitenbilder, stammen von externen Quellen. Am Ende liefern die Modelle Zeitstrahlgrafiken, Balkendiagramme oder Karten und werden anhand bekannter Entwicklungen aus der Vergangenheit überprüft. Die Zukunft voraussagen kann Lotze-Campen damit zwar nicht, aber solche Planspiele und Szenarienanalysen bieten grundlegende Orientierung – etwa was uns erwartet, wenn wir mit unserer Lebens- und Wirtschaftsweise den Klimawandel weiter vorantreiben.