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Humboldt-Universität zu Berlin - IRI THESys

Christoph Schneider: Ein moderner Naturbeobachter in der Stadt und im Eis

Christoph Schneider ist seit Oktober 2015 Professor für Klimageographie am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin und seit April 2016 Mitglied am IRI THESys.

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Christoph Schneider weiß, wie man das Schmelzen von Gletschern sichtbar macht und Staubpartikel in der Luft zählen kann, und bald möchte er auch Bäume zum Sprechen bringen. Seit Oktober 2015 hat der studierte Geograph und Physiker als Nachfolger von Wilfried Endlicher die Professur für Klimageographie am Geografischen Institut der HU inne, wo er sowohl Glaziologie als auch Stadtklimatologie betreibt. Dabei erweist er sich als Naturbeobachter mit modernstem technischem Know-how und als Forscherpersönlichkeit mit vielfältigen Interessen.

"Universalgelehrte wie einen Alexander von Humboldt gibt es heute nicht mehr, aber es ist eindeutig von Vorteil, wenn man sich auf mehreren Feldern auskennt. Das hilft, Zusammenhänge zu erkennen und sie auch unterrichten zu können", so der Wissenschaftler, der vor seinem Wechsel nach Berlin zunächst in Freiburg und danach in Aachen tätig war. Die Humboldt-Universität sei für ihn wie ein 6er im Lotto: Der Verbund aus drei Universitäten und die Vielzahl außeruniversitärer Einrichtungen mache Berlin zu einem Agglomerat an geografierelevanter Forschung, in der ihn vor allem der Austausch mit den Geisteswissenschaften aber auch mit der Physik inspiriere.

Wie der Klimawandel die Gletscher zum Schmelzen bringt

Den Austausch mit der Öffentlichkeit stellt Christoph Schneider aktuell in der Sonderausstellung "Extreme! Natur und Kultur am Humboldtstrom" in der Humboldt-Box her, die einen Ausblick auf die zukünftige Arbeit im Humboldt Forum geben soll. In einem Videoloop erläutert der Wissenschaftler das Klimaphänomen El Niño, eine natürliche Klimaanomalie im Pazifikraum, deren ökologische und ökonomische Auswirkungen globaler Natur sind und die durch den menschgemachten Klimawandel noch verstärkt werden.


Christoph Schneider im Videoloop im Rahmen der Ausstellung "Extreme! Natur und Kultur am Humboldtstrom"


Als Glaziologe erforscht Schneider die Auswirkungen des Klimawandels auf die beweglichen Eis- und Schneemassen der Erde, die durch steigende Temperaturen immer weiter schmelzen. "Das Schmelzwasser lässt den Meeresspiegel steigen, was langfristig zu Überschwemmungen der Küsten führt, wo oft Millionenstädte liegen. Im Sommer fehlt dagegen in trockenen Gebirgen das Schmelzwasser für die Landwirtschaft, was die Ernährungssicherheit bedroht", so der Experte, der unter anderem auf langjährige Forschung im Südwesten Patagoniens zurückblicken kann. Seit 1999 ist Schneider immer wieder in Chile unterwegs und lässt sich dort mit Hilfe von Schiffen der Marine zusammen mit Kollegen an den entlegensten Orten absetzen. "14 Tage ohne Kommunikation nach außen, nur ein Satellitentelefon für Notfälle", so beschreibt er die Feldforschung in der noch ursprünglichen Naturlandschaft der Region.

Um Umweltveränderungen beobachten zu können, bohren die Wissenschaftler beispielsweise Messstangen zwölf Meter tief ins Eis oder stellen Zeitraffer-Kameras mit besonders langlebigen Akkus auf. "Kommt man ein halbes Jahr später an denselben Ort, dann stehen die Messstangen oft acht oder zehn Meter weit draußen, weil das Eis abgeschmolzen ist. Und die in regelmäßigen Abständen aufgenommenen Bilder werden im Zeitraffer zu einem Film zusammengeführt, der die Bewegung von Eis und Schnee sichtbar macht." Einen solchen Zeitrafferfilm gibt es auch für die Besucher in der Humboldt-Box zu sehen.